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  • Thea Maillard

Über Menstruation, hormonelle Verhütung und MZA.

Wie ich meinen Weg zur natürlichen Verhütung gefunden habe und die Umwege, die mich dort hingebracht haben.



Endlich geht es los!

Als ich neun Jahre als war, bekam die erste Freundin in meinem Freundeskreis ihre Tage. Es war ihr zehnter Geburtstag und das Eintreten ihrer ersten Regelbkutung wurde von ihrer türkischen Mutter freudig gefeiert.

Von da an, konnte auch ich es kaum erwarten, endlich anzufangen zu bluten. Das geschah dann, als ich zwölf war. Meine Mutter sagt, sie hatte die Tage vor meiner ersten Blutung so eine Ahnung, dass es jetzt bei mir losgehen könnte, da ich wohl auffallend launisch war und über Bauchschmerzen klagte.


Aber ein bisschen peinlich war's mir schon.

Ich kann mich erinneren, dass ich einerseits unglaublich stolz war endlich auch zum Club Menses dazuzugehören, gleichzeitig war es mir aber auch überaus peinlich dem Rest der Welt, aber vor allem meinem Bruder und meinem Vater gegenüber.

Meine Mutter war nach der Trennung meiner Eltern mit ihrem neuen Partner zusammengezogen. Obwohl sie nicht weit wegwohnte und auch viel bei uns zu Hause war, fühlte ich mich oft allein als heranwachsende Frau in einem Männerhaushalt

und ich wollte auf keinen Fall, dass mein Vater und Bruder mitkriegten, wenn ich blutete, was dazu führte, dass ich benutzte Periodenprodukte in zig Lagen Klopapier eingewickelt habe, bevor ich sie in den Mülleimer im Bad getan habe und wenn doch mal was daneben ging, meine blutigen Unterhosen sofort gewaschen habe, damit sie ja niemand im Wäschekorb entdeckt.


Keine Periode, aber die Pille

Als ich vierzehn war, blieb meine Periode dann für eine Zeit lang aus. Das war zu der Zeit, in der ich eine gepflegte Essstörung entwickelte und manchmal tagelang nur Äpfel aß. Mein Körper reagierte sofort nur war mir das herzlich egal; Abnehmen war wichtiger.

Mein Periode kam nach ca. sechsmonatiger Pause wieder, nur dann habe ich gleich angefangen die Pille zu nehmen, nicht ahnend, dass die damit verbundene monatliche Abbruchsblutung nicht im geringsten eine Periode ist, sondern nur so aussieht wie eine. Da die Abbruchsblutung bei korrekter Einnahme der Pille jedoch regelmäßig auftrtitt, dachte ich, dass mit meiner Periode wieder alles in Ordnung ist – und habe weiterhin ein gestörtes Essverhalten an den Tag gelegt. Rückblickend beschleicht mich das Gefühl, dass meine echte Menstruation in den folgenden Jahren sicher immer wieder ausgeblieben wäre.

Acht Jahre später, mit 23, habe ich die Pille dann zum ersten Mal abgesetzt. Meine Einstellung zu meinem eigenen Körper und die Essstörung hatten sich deutlich gebessert und ich habe wieder regelmäßig und halbwegs gesund gegessen und nach Absetzten der Pille kam meine Periode sofort wieder regelmäßig. Und das wiederholte sich dann auch jedes Mal, wenn ich von neuem die Pille absetzte. Richtig aufgehört mit hormoneller Verhütung habe ich nämlich bis ich 27 war nicht. Ich habe die Pille quasi on demand geschmissen. Zwei drei Monate Pille regelmäßig und ordnungsgemäß genommen, wenn grade ein Mann da war, mit dem ich regelmäßig Sex hatte, dann wieder ein paar Monate Pille abgesetzt, wenn passender Mann da war.


Pille raus, Hormonspirale rein

Irgendwann habe ich dann aber beschlossen, dass ich die Pille nicht mehr nehmen will. Da war ich grade nach London gezogen und hatte einen neuen Freundeskreis und auf einmal total viele starke Frauen in meinem Leben, die alle im Einklang mit ihrem Zyklus lebten, ganz offen über ihre Blutung redeten und genau ihren Eisprung spüren konnten und ich wusste nicht mal so genau, wann im Zyklus dieser eigentlich auftritt. Aber neugierig war ich und haute die Pille in die Tonne – bis ich meinen damaligen Freund kennenlernte, der mich dazu überredete die Hormonspirale auszuprobieren, wenn ich schon die Pille nicht nehmen wollte.

An dieser Stelle muss ich einschieben, dass ich während der Einnahme der Pille nie irgendwelche Nebenwirkungen bemerkt hätte und es immer als positive empfunden habe sie zu nehmen.

Die Hormanspirale wird oft als Präparat angeprießen, das im Vergleich zur Pille weniger künstliche Hormone hat, die angeblich nur lokal in der Gebärmutter wirken.

Schon das Einsetzen der Spirale war bei mir kompliziert und schmerzhaft und die Ärztin hätte es fast nicht geschafft und wollte mich schon zu einem Spezialisten schicken, doch dann hat sie es noch einmal versucht und das Ding war drin.

Die nächsten sechs Monate habe ich jeden Tag geblutet, hatte ein unangenehmes Ziehen im Unterleib, war deprimiert und habe mich ganz und gar nicht nach mir selbst gefühlt.


Hormonfrei glücklich

Ohne mir vorher gedanken darüber zu machen, wie ich in Zukunft verhüten will und ohne es mit meinem Freund zu besprechen, der grade auf einem Meditationsretreat war, habe ich mir die Spirale nach einem halben Jahr wieder entfernen lassen. Und genau dem Moment, als sie draußen war, ging es mir wieder besser. So als hätte jemand das Licht angeschaltet und die Vorhänge aufgezogen; ich war wieder ich selbst!

Seither tracke ich meinen Zyklus, was heißt, dass ich täglich die zyklusabhängigen Zeichen meines Körpers beobachte. Dadurch weiß ich, wann mein Eisprung in etwa stattfindet (und ja, mittlerweile spüre ich ihn auch) und kann dadurch mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen, wann meine nächste Periode einsetzen wird.

Ausserdem benutze ich mittlerweile die symptom-thermal Methode zum Verhüten. Anhand meiner täglichen Zyklusbeobachtungen und der Auswertung meiner Basalthemperatur (Körperthemperatur direkt nach dem Aufwachen) kann ich sicher meine fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen.

Das Wissen über meinen Zyklus als hormonfreie und kostenlose Verhütungsmethode zu verwenden ist großartig, aber noch gar nicht das Beste.

Der wahre Schatz liegt darin, dass ich durch Menstruationszyklusachtsamkeit (MZA) zu mir selbst als Frau gefunden habe, mich und meinen Körper besser verstehe und annehme und mein Leben im Einklang mit den auf- und absteigenden Energien der verschiedenen Zyklusphasen gestalte.



#zyklus #verhütung #pille

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